
Oh weh, oh weh! Also, ich habe ja wirklich groß Hoffnungen gesetzt in diese neue Vorabend-Talkshow mit Thomas Gottschalk – und ich habe auch immer noch Hoffnung! Sicherlich muss die Show erstmal ihren Weg finden. Umso wichtiger aber ist ja, dass man den Machern gleich zu Beginn knallhart mitteilt: Leute, so wird das nichts!
Zunächst einmal finde ich es bemerkenswert, dass der Showmensch Gottschalk ohne Live-Publikum agiert. Unser Thommy braucht doch schließlich eine Reaktion, wenn er einen Altherrenwitz vom Stapel lässt oder mit seinem Gast herumschäkert. Schlimmer aber noch ist, dass die Redaktion der Sendung stattdessen involviert ist und brav zu klatschen hat, wenn der prominente Gast des Tages die Bühne betritt. Das wirkt nicht nur absurd – es wirkt billig! Und das ist das Schlimmste, was einer Gottschalk-Show passieren kann: dass sie billig wirkt. Ich hatte, ehrlich gesagt, erwartet, dass Gottschalk an seine alten “Na sowas”-Traditionen aus den 80ern anknüpft. Ich hatte erwartet, dass ein Showact zwischendurch kommt, dass die Großen der Welt bei ihm Platz nehmen. Nicolas Cage habe er angeblich einladen können, aber nicht gewollt – so behauptet er. Denn schließlich sei es langweilig für den Zuschauer, wenn diese Stars nur kommen, um ihre Filme zu promoten und dann nach zehn Minuten wieder gehen, begründete der Thommy dies. Und was passierte dann? Bully Herbig kam, promotete seinen Film (im Grunde sogar zwei Filme) – und nach zehn Minuten war es vorbei.
Noch schlimmer aber als all das ist die unverschämte Kommerzialisierung der Sendung. Eine halbstündige Show im öffentlich-rechtlichen Fernsehen drei Mal mit Werbung zu unterbrechen (und sei es in zwei Fällen nur durch je ein bis zwei Spots) ist nicht nur dreist, es ist auch hart am Rande der Legalität – von den Ansprüchen an öffentlich-rechtliches Fernsehen wollen wir gar nicht reden. Den dritten Werbespot dann als “Wetter” zu verkaufen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Das “Wetter” wird von der ARD als eigenständige Sendung ausgewiesen – dabei ist es Teil der Sendung. Mit einem Taschenspielertrick wie schon bei der “Sportschau” versucht das Erste offenbar, mehr Werbung zu platzieren als eigentlich zulässig. Überhaupt glaubt man offenbar, am Zuschauer vorbei Geld verdienen zu können – immerhin steht ja der prominente Name “Gottschalk” drüber. Aber das wird auf Dauer nicht funktionieren. Der Name “Gottschalk” ist groß – aber er wird ganz schnell ganz klein, wenn auch die Show klein ist. So simpel ist das. Nun, wie gesagt: Ein bisschen Zeit sollte man den Machern der Show ruhig noch geben. Sie werden sich die massive Kritik an der Show (ein Blick in die Facebook-Gruppe lohnt sich) hoffentlich zu Herzen nehmen.
Zu Beginn der Sendung übrigens zeigte Thomas Gottschalk, wo wirklich seine Stärken liegen: Er ließ sich genüsslich über einen Artikel in irgendeinem Wartezimmer-Schnüffelblatt aus, in dem behauptet wurde, Gottschalk habe einen verarmten Cousin in Polen. Das war aber leider der einzige Höhepunkt. Da muss mehr kommen. Hättest du man doch den Cage eingeladen, Thommy…
geschrieben am 23.01.2012 von Fernsehkritiker · 47 Kommentare Kommentar hinterlassen

Am 2. Januar erhielt ich eine E-Mail von Fabian, einem weiteren Kandidaten der gerade zu Ende gegangenen Scripted-Doku “Schwer verliebt” auf Sat.1. Er schrieb mir: “Hay hier Ist Fabian Kanidat von schwer verliebt. Habe deine Emial adresse von Sarah. Ich würde gerne auch ne richtig stellung machen da ich nur verascht würde und ich habe Was was intresant sein dürfte.”
Interessant war das, was er mir zu berichten und zu zeigen hatte, allemal, denn: Fabian teilte mit, dass er Beweise vorlegen könne, dass die Sendung “Schwer verliebt” komplett nach Drehbuch inszeniert werde. Er habe selbst ein komplettes Drehbuch vorliegen und habe während des Drehs obendrein Bilder von der sogenannten “Produktionsbibel” geschossen. Diese bekam ich dann auch zugemailt, leider in überwiegend verwackelter und unleserlicher Qualität:







Wie gesagt: Leider ist kaum etwas zu entziffern. Aber das, was einigermaßen zu lesen ist, reicht schon. So steht beispielsweise unter dem Punkt “Interviewbriefing” als Anweisung für das Team vor Ort zu lesen: “Grundsätzlich vergesst bitte auch in den Interviews nicht den Aspekt der Körperlichkeit / Dick sein und des Essens abzufragen. Kommt bitte immer wieder auf das Thema zurück bzw. bindet es ein.” Handschriftlich steht darunter, soweit ich das entziffern kann: “2 Fett in einem Raum, 1 Männer 1 Frauen” (Nachtrag: Nach Meinung einiger Leser steht dort “2 Sets in einem Raum”). Unter “Grundsätze des Formats” steht geschrieben: “Bedürftigkeit und Gönnfaktor jedes Protagonisten müssen stets berücksichtigt werden. Seine Ecken und Kanten sollen von vornherein in den Drehplan eingearbeitet werden.” Interessant, nicht wahr? Wo doch angeblich alles so spontan und real abgebildet wird in der Sendung. Und weiter: “Essen thematisch aufgreifen pro Tag ist Pflicht und dann die Kleinigkeiten wie naschen zwischendurch, geht heimlich an den Kühlschrank.” Schließlich wird dann frank und frei die Order gegeben: “Es ist wichtig, dass wir mit den Pfunden unserer Protagonisten auch optisch spielen und den Voyeurismus des Zuschauers bedienen.”
Ich führte ein längeres Telefonat mit Fabian. Darin schilderte er mir, wie er immer wieder genötigt wurde, Szenen gegen seinen Willen zu drehen und wie eine angebliche Liebesgeschichte mit seiner Drehpartnerin Nicole inszeniert wurde, für die er sich in Wahrheit gar nicht interessiert. Am vergangenen Sonntag endete die erste Staffel der Dokusoap in der Tat so, als habe Fabian mit Nicole die große Liebe gefunden und wolle baldmöglichst mit ihr zusammenziehen. Nicole spricht in einem O-Ton sogar schon von Nachwuchsplänen. Fabian erzählte mir, dass es ihn besonders ärgere, dass ganz Deutschland glaubt, er sei nun vergeben. Einfacher für ihn, eine Frau fürs Leben zu finden (deswegen hat er ursprünglich bei “Schwer verliebt” mitgemacht), wird es dadurch sicher nicht. Dazu kommt, dass die Macher ihn jetzt nötigen wollen, an einer zweiten Staffel mitzuwirken, die erfundene Liebesgeschichte mit Nicole also noch weiter fortzusetzen.
Diese Geschichte interessierte mich natürlich sehr und deshalb vereinbarte ich mit Fabian einen zeitnahen Drehtermin. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Fabian hatte auch gleichzeitig mit Vera Müller, Redakteurin der “Rhein-Zeitung”, Kontakt aufgenommen. Und die haute leider die Story sofort raus und schilderte all das, was Fabian auch mir am Telefon erzählte. Damit war Sat.1 natürlich alarmiert. Was sich daraufhin hinter den Kulissen abspielte, lässt sich nur erahnen. Jedenfalls kam von Fabian dann plötzlich ein Dementi, unter anderem in der Facebook-Gruppe von “Schwer verliebt”: “hallo hier ist fabian,ich will noch einmal ausdrücklich betonen,dass der artikel aus der rheinzeitung,vom 03.01.12,angeblich von mir so gesagt,zur sendung schwer verliebt,erstunken und erlogen ist.frau m.,hat mich angerufen,nicht ich sie,und ich habe kein interview gegeben und das was ich geantwortet habe,hat sie komplett verdreht und medienträchtig verkauft.ich fühle mich von dieser frau verfolgt und rate allen,sich von dieser fernzuhalten.”
Mir schrieb Fabian etwa zur selben Zeit nur eine kurze Mail, dass seine Tante im Sterben liege und wir den Dreh deshalb erstmal verschieben müssten. Natürlich ahnte ich sofort, dass hier irgendwas nicht stimmt. Es folgten dann mehrere Tage des Schweigens. Jegliche Versuche meinerseits, Fabian über Mail oder Handy zu erreichen, scheiterten. Dann schließlich kam doch wieder ein Anruf von ihm. Darin erklärte er mir, dass Sat.1 und die Produktionsfirma Grundy/UFA massiven Druck auf ihn ausübten und ihm mit einer Geldstrafe von 250.000 Euro (!) gedroht wurde, sollte er irgendwas über den Dreh zu “Schwer verliebt” öffentlich erzählen. Zu dem Dementi sei er gezwungen worden. Ich versuchte ihm daraufhin klar zu machen, dass diese Knebelverträge sittenwidrig sind und er sich wegen einer angedrohten Geldstrafe keine Sorgen machen müsse. Ich konnte ihn dann schließlich überreden, mich mit ihm zumindest mal ohne Kamera zu treffen – was dann auch geschah. Am Hamburger Hauptbahnhof trafen wir uns zum Frühstück (Fabian wohnt in Kiel und kam mit dem Zug, um Verwandte in Hamburg zu besuchen). Hier konnte ich ihn dann erneut bestärken, mir doch ein Interview zu geben. Vor allem machte ich ihm klar, dass seine Mitstreiterin Sarah Unterstützung braucht. Denn die musste sich in den vergangenen Wochen auch viele Beschimpfungen anhören. Zahlreiche Zuschauer schienen das, was Sarah im Beitrag in Folge 81 erzählte, partout nicht wahrhaben zu wollen. Ich vereinbarte also erneut einen Drehtermin mit Fabian – und wieder endete es so, dass er plötzlich in der Versenkung verschwand. Er reagierte nicht auf Anrufe, sein E-Mail-Postfach war plötzlich überfüllt und man konnte ihm keine Mails mehr schicken. Ich kann mir das nur so erklären, dass ein derart großer Druck nach wie vor auf Fabian ausgeübt wird, dass er sich nach Abwägung lieber dafür entscheidet, die Klappe zu halten. Heute schrieb er mir nach zig Anruf-Versuchen meinerseits, dass er derzeit viele Arzt-Termine hätte und nicht drehen könne. Damit ist für mich, um es mit unserem Bundespräsidenten auszudrücken, nun der Rubikon überschritten. Irgendwann ist meine Geduld auch mal am Ende. Schade, denn das wäre nochmal ein interessanter Nachklapp gewesen zu dem Bericht über Sarah. Vor allem hätte mich das Drehbuch interessiert, von dem ich immer noch hoffe, dass Fabian es mir trotzdem zukommen lässt.
Übrigens übte Sat.1 auch Druck auf Vera Müller aus. In den Kommentaren auf der Solidaritätsseite für Sarah meldete sich ein offensichtlicher Mitarbeiter von Sat.1 oder Grundy unter dem Pseudonym “Entsetzter Betrachter” und wurde unverschämt und bedrohend:
Entsetzter Betrachter: Ich weiß definitiv , dass Fabian Sie nicht angerufen oder “gepostet” hat.Da wird sich JEMAND einen netten Scherz mit Ihnen erlaubt haben , um zu sehen , wie Sie mit Informationen umgehen , und wie leichtgläubig Sie einfach Namen benutzen um sich outen zu können. Ich habe zu Fabian Kontakt und kann somit diese Aussage ohne Reue tätigen.
Vera Müller: Soll ich Ihnen Fabians Handynummer schicken!?!? Soll ich Ihnen die Mails schicken, die er mir nach dem Telefonat an mich geschickt hat?!? Auf seinem Facebook-Account finden sich 7 Kontakte: unter anderem zu Sarah, mit der er ebenfalls in Kontakt steht. Und zu Holger Kreymeier von fernsehkritik.tv… Wir chatten und telefonieren und mailen als mit einem Fake? Lachhaft!
Entsetzter Betrachter: Frau Müller, Vorsicht! Sie überprüfen die Identität ihrer Informanten nicht? Ich schüttle schon lange den Kopf über Ihr journalistisches Versagen. Sie reagieren wie eine Zeitbombe auf Hören-Sagen, ballern scheinbare Infos aus, ohne diese gegenzuchecken und jetzt sind sie in eine dumme Falle getappt. Merken Sie denn gar nicht, dass nicht mehr Sarah im Zielfeuer steht, sondern Sie? Ein kleiner Rat: Reagieren Sie nicht wie ein kleines Kind auf jede Provokation. Sie haben einen üblen Fehler begangen und wenn Sie nicht aufpassen, kann er Sie den Kopf kosten. Überlegen Sie gut, welche Infos Sie raushauen und wem Sie irgendwelche Telefonnummern schicken. Sie sind angreifbar, weil Sie schlampig arbeiten. Wenn SIE und nicht Sarah erstmal einen Anwalt brauchen – keine Ahnung, ob Ihr Blättchen Sie dann noch unterstützte. Ich vermute, dass Sie bei Ihren Kollegen schon jetzt unter Kreuzfeuer stehen. Sie haben sich leichtgläubig auf die Seite eine unreifen Mädchens gestellt und reagieren jetzt genauso unreif, indem sie wütend in Fallen tappen, ohne es zu begreifen. Setzen Sie Ihre feministische-links gefärbte Brille ab und retten Sie ihre Haut! Wachen Sie aus Ihrer Gutmensch-Naivität auf Sie bewegen sich momentan auf sehr dünnem Eis!
Unter dem Strich zeigt sich, welchen Druck solche harmlos wirkenden abendlichen Unterhaltungssendungen nicht nur auf ihre Protagonisten ausüben, sondern auch auf diejenigen, die kritisch darüber berichten. Und es zeigt sich, was für ein Schlag Mensch für diese unwürdigen Scripted-Sendungen verantwortlich ist.
Ich kann nur hoffen und plädiere hiermit auch nochmal an ihn, dass Fabian doch noch bereit ist, sich öffentlich zu äußern. Unsere Solidarität hat er.
Nachtrag: Unsere fleißigen User haben die Produktionsbibel gemeinsam weitgehend entziffert.
geschrieben am 19.01.2012 von Fernsehkritiker · 284 Kommentare Kommentar hinterlassen
Ich bin seit einigen Tagen einem merkwürdigen Phänomen auf der Spur. Das besondere Phänomen ist: Ich nehme dieses Phänomen einfach nicht wahr, während mir andauernd andere schreiben, sie würden es klar und deutlich sehen.
Der Reihe nach: Gleich mehrere Zuschauer schrieben mir nach der jüngsten Ausgabe von “The Voice Of Germany” am vergangenen Freitag, in der Sendung sei unterschwellig an mehreren Stellen eine Art Wasserzeichen-Werbung für das Smartphone “Nokia Lumia 800″ platziert worden. Man habe schon genau hinschauen müssen, aber gerade das sei der Trick, damit die Werbung beim Zuschauer unterbewusst ankommt, ohne dass der es wirklich bemerkt. Ich habe mir natürlich die Ausgabe sofort besorgt und sie nach solchen Stellen durchgearbeitet – nichts!
Dann wurde ich auf diesen Blogtext von “Inside by Insight” aufmerksam gemacht, in dem sogar mittels eines Schreenshots bewiesen wurde, dass es die Wasserzeichen-Werbung tatsächlich gab. Hier das Bild, um das es geht:
Ich habe mir daraufhin noch einmal die Show angeschaut und nach genau der Stelle gesucht – und bei mir findet sich die Werbebotschaft nicht:

Auch eine massive Aufhellung des Bildes brachte keinen Erfolg:

Ebenso hatte eine zusätzliche Erhöhung des Kontrastes keinen Erfolg. Spätestens hier hätte man das Wasserzeichen sehen müssen:

Zuschauerin Nevena schrieb mir zudem, man könne in in diesem Clip deutlich sehen, dass in den Sekunden 0:53 bis 0:55 das Wasserzeichen eingeblendet werde. Das habe ich mir natürlich sofort angesehen. Ergebnis: Sorry, ich kann nichts erkennen – auch nicht, wenn ich die Helligkeit meines Monitors massiv nach oben fahre.
Was ist das für ein merkwürdiges Phänomen? Manche sehen etwas, was andere nicht sehen. Ist es eine optische Täuschung? Oder muss man bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen? Dass es diese unterschwellige Werbung tatsächlich gibt, möchte ich nicht in Zweifel ziehen. Kurz vor Weihnachten schrieb mir erst Zuschauer Dennis, er habe auf Pro7 im Thriller “Collateral” mit Tom Cruise solche Wasserzeichen sehen können – allerdings war nur ein Teil entzifferbar (“Irgendwas mit Joy und Ann”). Auch dies prüfte ich damals natürlich – und fand ebenso nichts.
Testen Sie es doch selbst mal. Sehen Sie auch das, was ich nicht sehe?
geschrieben am 18.01.2012 von Fernsehkritiker · 177 Kommentare Kommentar hinterlassen
Sollten Sie am vergangenen Samstag “Deutschland sucht den Superstar” gesehen haben, wird Ihnen sicher der selbsternannte “Party-Boy” Alexander Fähnrich in Erinnerung sein, der, statt zu singen, sich plötzlich die Kleider vom Leib riss und “Fang mich” mit Bruce Darnell spielte.

Seit seinem Auftritt, der ja auch für einen Tag Thema in den Boulevard-Medien war, scheint der “Party-Boy” Blut geleckt zu haben, denn nun will er unbedingt wieder ins Fernsehen – und zwar mit allen Mitteln. Auf Facebok sucht er öffentlich und für jeden einsehbar nach einer Fake-Familie für einen “Mitten im Leben”-Dreh:

Und bei Stefan Raab wäre er auch gern mal zu Gast:

Immerhin: Der “Party-Boy” ließ schon bei DSDS verlauten, dass er zur Not auch Porno-Darsteller werden würde. Darauf kann er sich dann wohl schon mal einstellen. Ein paar TV-Auftritte sind ihm aber sicher noch gewiss, denn peinliche Freaks sind immer gern genommen.
geschrieben am 12.01.2012 von Fernsehkritiker · 46 Kommentare Kommentar hinterlassen

Vielen Dank an Eric!
geschrieben am 07.01.2012 von Fernsehkritiker · 38 Kommentare Kommentar hinterlassen
Welcher Promi wurde in Fernsehkritik-TV in 83 Folgen am häufigsten zum Thema gemacht? Ja, stimmt: Es ist leider Jürgen Milski. Und welcher TV-Sender steht an der Spitze der Kritik? Okay, das ist nicht allzu schwer: Es ist RTL. Dass dabei auf Platz 2 aber schon die ARD kommt, ist erstaunlicher. Solche und andere (manchmal auch überraschende) Erkenntnisse hat FKTV-Zuschauer Sebastian in mühevoller Arbeit zusammengetragen, indem er alle bisher erschienenen 83 Folgen von Fernsehkritik-TV einer Analyse unterzogen hat.
Vielen Dank für die Mühe, Sebastian!
geschrieben am 05.01.2012 von Fernsehkritiker · 19 Kommentare Kommentar hinterlassen
Christian Bartsch ist sauer. Der bekennende TV-Freak hat sich kurz vor Jahreswechsel eine Dokumentation im WDR über die Kult-Serie “Ein Herz und eine Seele” angeschaut – und musste dabei am eigenen Leibe spüren, wie sehr der WDR sich mit fremden Federn schmückt. Dabei war Bartsch extra für die Dokumentation “Lachgeschichten” interviewt worden.
Aber der Reihe nach: Von der TV-Serie mit dem berühmten Ekel Alfred gibt es insgesamt 25 Folgen, die zwischen 1973 und 1976 entstanden. Dazu gehören einige Folgen, die in schwarz-weiß gedreht wurden und dann später ein zweites Mal in Farbe (teilweise mit anderen Schauspielern und anderen Dialogen). Als im Jahr 2005 zum ersten Mal die Serie auf DVD erschien, veröffentlichte das zum NDR gehörende Studio Hamburg eine Edition mit 21 Folgen und verkündete sogar noch dreist, es handle sich um die “komplette Serie”. Fans waren erzürnt, denn natürlich gehört zu einer “kompletten Serie” auch, dass man beide Fassungen einer Folge, Schwarz-weiß-Original und das später gedrehte farbige Remake, veröffentlicht. Studio Hamburg hatte nach zahlreichen Beschwerden immerhin ein Einsehen und kündigte eine ergänzende DVD-Edition mit den fehlenden Folgen an. Diese ergänzende Edition sollte jedoch nur drei Folgen beinhalten, eine Episode fehlte also nach wie vor.
Christian Bartsch und seine Mitstreiter erfuhren von den halbherzigen Plänen und baten Studio Hamburg, die bereits geplante Veröffentlichung der ergänzenden Edition zu stoppen, damit die noch fehlende 25. Folge auch mit in den Schuber könne. Dabei handelte es sich um das Farb-Remake der Episode “Der Sittenstrolch”. Doch das Anliegen stieß sowohl bei Studio Hamburg (die für DVD-Veröffentlichungen von ARD-Serien federführend sind) als auch beim damaligen Produzenten der Serie, dem WDR, auf taube Ohren. Immer wieder schrieb man den Serien-Fans zurück, die Farb-Version von “Der Sittenstrolch” sei ein Mythos, es gäbe diese Folge nicht. Selbst als man eine Original-Kopie einer Hörzu-Ausgabe von 1974 vorlegte, um die Existenz der Farbfolge zu belegen, stritt der WDR dies vehement ab. Schließlich recherchierte Bartsch weiter, sah sich alte Sendepläne an und stieß plötzlich darauf, dass ausnahmsweise der damalige SDR Produzent dieser Folge war – und siehe da: Im Archiv des heutigen SWR schlummerte tatsächlich die fehlende Farb-Ausgabe von “Der Sittenstrolch”. Doch selbst bei diesem Stand der Recherchen reagierte Studio Hamburg noch ungehalten und fühlte sich offenbar eher gestört von nervigen Fans. Das gesamte Drama hat Bartsch bereits 2005 ausführlich in einem Blogtext niedergeschrieben – lohnt sich zu lesen. Immerhin nahm alles ein gutes Ende: Letztendlich erschien tatsächlich eine Ergänzungs-Edition mit vier Folgen, inzwischen gibt es längst auch eine Komplett-Edition mit allen existenten 25 Folgen auf DVD.


Nun also zurück in die Gegenwart. Am vergangenen Freitag sendete der WDR einen “Ekel Alfred”-Abend – inklusive einer 90-minütigen Dokumentation und, erstmals seit 37 Jahren wieder im TV, der Farb-Folge von “Der Sittenstrolch”. Dieses lang verschollene Schmankerl wurde auch in der Dokumentation thematisiert. Zwar kommt auch Christian Bartsch in zwei O-Tönen zu Wort, als der eigentliche Held der ganzen Story wird aber der WDR-Programmplaner Klaus Kunde-Neimöth dargestellt. Bartsch, so wird suggeriert, habe lediglich einen Hinweis gegeben, dass es die Farb-Folge von “Der Sittenstrolch” gibt. Klaus Kunde-Neimöth äußert sich daraufhin im O-Ton folgendermaßen: “Der Sache sind wir dann einfach nachgegangen und in der Tat: Viele Recherchen später haben wir dann eine Folge in Stuttgart gefunden. Ich meine, alle anderen Folgen stehen hier in Köln beim WDR, aber diese Folge stand in Stuttgart: ‘Der Sittenstrolch’ in Farbe – einmal ausgestrahlt im November 1974.”


“Viele Recherchen später” haben “wir” dann die Folge gefunden? Welch eine Dreistigkeit. Hätten Bartsch & Co. damals nicht so intensiv gearbeitet, würde “Der Sittenstrolch” in Farbe vermutlich heute noch im SWR-Archiv schlummern. “Der WDR war so selbstgefällig, als ich 2005 die Antwort bekam, dass es nun schon sehr dreist ist, das als eigenen Erfolg zu verkaufen”, beschwert sich Christian Bartsch zu Recht. Und es kommt ja noch besser: In einem Interview auf wdr.de wird erneut Kunde-Neimöth als Urheber der Recherche gefeiert. Es sei seinen “hartnäckigen Recherchen” zu verdanken, dass “Der Sittenstrolch” nun in Farbe im TV laufen konnte:

In dem Interview behauptet Kunde-Neimöth nun, er sei im Internet zufällig auf ein Forum gestoßen und habe dabei erfahren, dass es eine Farb-Fassung von “Der Sittenstrolch” gebe. Ach? Um das zu erfahren, hätte es der “hartnäckigen Recherchen” nun wirklich nicht bedurft, denn, wie bereits erwähnt, gibt es seit Jahren ja diese Folge auf DVD im Handel zu kaufen – und zwar dank Christian Bartsch. So blind kann selbst ein WDR-Angestellter nicht sein.
geschrieben am 01.01.2012 von Fernsehkritiker · 29 Kommentare Kommentar hinterlassen
Ich habe in den vergangenen zwei Tagen mehrere Mails und Hinweise bekommen mit der Behauptung, dass das am Mittwoch im ZDF ermittelte “Superhirn 2011″ gar kein wirkliches Superhirn ist. Deswegen habe ich mich noch einmal ein bisschen genauer damit beschäftigt.
Zunächst einmal sollte vielleicht erklärt werden, worin überhaupt die “Super-Leistung” des Gewinners Robin Wersig lag. Der junge Mann hat gewettet behauptet, er könne ein magisches Quadrat lösen und dies zudem durch Rösselsprünge. Ein magisches Quadrat ist demnach ein Schachbrett mit Zahlenfeldern, bei denen jede vertikale und jede horizontale Reihe zusammengerechnet die selbe Summe ergibt. Jörg Pilawa ermittelte mittels dreier Zuschauer aus dem Publikum die Zahl, um die es gehen sollte: 747. Jede Reihe, senkrecht und waagerecht, sollte also am Ende 747 ergeben. Dazu kam nun, dass Kandidat Wersig das zunächst leere Schachbrett mit Zahlen bestückte ohne es sehen zu können. Und: Er musste im Rösselsprung vorgehen. Das bedeutet: Er beginnt auf einem bestimmten Feld auf dem Schachbrett (auch dies wurde per Zufall bestimmt) und darf sich von dort aus nur fortbewegen wie ein Springer im Schach (also zwei Felder vor und eines zur Seite bzw. ein Feld vor und zwei zur Seite).
Hier mal paar Screenshots:



Der entscheidende Punkt ist nun folgender: Ist es wirklich eine mathematische Meisterleistung, diese Aufgabe zu lösen? Oder muss man einfach gut im auswendig Lernen sein?
Die Platzierung der Zahlen auf dem Schachbrett geschieht ja nicht einfach aus dem FF, sondern natürlich hatte Robin Wersig mehrere Muster im Kopf. Er wusste ja, dass die Zahl, um die es in seiner Aufgabe gehen wird, dreistellig sein wird. Wenn er sich beispielsweise ein komplettes magisches Quadrat mit der jeweiligen Endsumme 500 eingeprägt hatte, konnte er entsprechend die Differenz berechnen, um ein Quadrat für die Zahl 747 zu erstellen. Noch einfacher hatte er es womöglich, wenn er bereits magische Quadrate für die Zahlen 250, 500 und 750 im Kopf hatte. 750 wäre ja schon fast dran an der Aufgabe.
Was den Rösselsprung angeht, gibt es auch eine Methode: Man muss sich einfach die Reihenfolge der 64 Felder merken, in denen man von einem leeren zu einem vollen Brett kommt. Denn wie man hier sehen kann, endet der Springer bei Vollendung auf dem Feld E6, nachdem der Beginn auf dem Feld G5 war (siehe Bild oben):

Das heißt, mit einem weiteren Sprung könnte man wieder auf dem Anfangsfeld landen. Ergo: Es ist ein Kreislauf. Im Grunde ist es also egal, welches Startfeld einem vorgegeben wird. Wenn man den Kreislauf der Rösselsprünge komplett im Kopf hat, kriegt man die komplette Abarbeitung des Schachbrettes immer hin.
Es geht also im Grunde darum, sich einmal und sehr intensiv zur Vorbereitung 64 Zahlenfelder zu merken und eine Reihenfolge von 64 Rösselsprüngen. Lediglich bei acht Feldern muss dann noch eine Differenz berechnet werden, da bei den restlichen 56 Feldern das Muster exakt gleich ist – egal um welche Zahl es letztlich geht. Dies zum Beispiel ist ein Muster für ein magisches Quadrat (Quelle: namenmerken.de):

Zählt man bei den nicht-roten Felder jeweils 70 hinzu, kommt man auf die Zahlen des magischen Quadrates aus der Show. Und wie gesagt: Bei acht Feldern muss dann noch gerechnet werden.
Wohl gemerkt: Ich persönlich halte auch dies für eine große Leistung, da ich nun gar kein Zahlenmensch bin. Aber manche Zuschauer haben sich über die Sendung und über Robin Wersig als Sieger geärgert, weil sie ihn für einen Blender halten. Und tatsächlich ist es wohl vor allem eine gute Vorbereitung, die das Lösen der Aufgabe dann einfach macht. Wer übrigens noch genauer und kompetenter erklärt haben möchte, was ich eben in meinen Worten versucht habe zu erläutern, der sollte sich dieses Video auf YouTube anschauen, wo das alles nochmal sehr anschaulich analysiert wird.
Was ich noch bemerkenswert finde ist, dass das entstandene magische Quadrat gar nicht wirklich ein magisches Quadrat ist (jedenfalls keines nach gängiger Definition), denn eigentlich hätten auch die beiden Diagonalen dann 747 ergeben müssen. Das ist aber nicht so:

Die eine Diagonale ergibt 728, die andere 782. Unbestritten wäre die Erstellung eines magischen Quadrates sehr viel schwieriger und komplizierter gewesen, hätte man auch die Diagonalen mit einbezogen.
Die Frage ist eben, ob die anderen Kandidaten nicht eher den Siegertitel “Superhirn 2011″ verdient hätten. So war ein Mann dabei, der ein sehr musikalisches Gehör hatte und bei einem 34-köpfigen Symphonie-Orchester heraushören konnte, welcher der Musiker gerade nicht mitspielt. Ein anderer Kandidat konnte ohne Hilfsmittel die Geschwindigkeit von Autos benennen – quasi wie eine Radarfalle (jedoch patzte er einmal). Und eine Jugendliche kannte das gesamte Streckennetz der Deutschen Bundesbahn auswendig.
Der ärgerlichste Moment der Show für mich war übrigens, als die anwesenden B-Promis (Verona Pooth, Jens Riewa usw.) während eines Walzertanzes eine immer länger werdende Rechenaufgabe gestellt bekamen, deren Ergebnis am Ende als 28 ausgegeben wurde. Dies wäre natürlich richtig, wenn man die Punkt-vor-Strich-Regel nicht beachtet – aber korrekterweise müsste man die beachten. Und dann käme statt der eingeblendeten 28 nur das Ergebnis 18 heraus (sofern ich mich jetzt nicht verrechnet habe, was durchaus sein kann). EDIT: Allgemeine Meinung ist, dass -12 herauskommt – zumindest ist 28 in jedem Fall falsch.

So, genug den Kopf zerbrochen für dieses Jahr – Guten Rutsch!
geschrieben am 31.12.2011 von Fernsehkritiker · 33 Kommentare Kommentar hinterlassen
So, das finale Gewinnspiel unseres Adventskalenders ist beendet – nun darf abgestimmt werden! 10 eingereichte Foto-Beiträge haben es in die Endrunde geschafft. Stimmen Sie im Forum darüber ab, welches Foto Ihnen am besten, kreativsten, schrägsten oder was auch immer gefällt. Das Voting läuft bis Mittwoch, 28.12.2011, 23:59 Uhr.
Kandidat 1:
Bei Manuel und seiner Familie werden zum Fest alle Register des kitschigen Geschmacks gezogen – der Einzige, der einen kühlen Hundekopf bewahrt und sich nur wundert, ist Hund Rocky.

Kandidat 2:
Diese Montage diverser Elemente regt zu stundenlanger Diskussion und Interpretation an. Warum gerade der Mittelfinger? Und symbolisiert die verängstigte Katze den geknechteten Zuschauer? Die abgebildete Dame ist übrigens auch die Künstlerin dieses vielschichtigen Werkes und heißt Jenny.

Kandidat 3:
Zuschauer Timo verzichtet vollends auf weihnachtliche Klischees und übt stattdessen brutalstmögliche Kritik am Wettergott, der uns ein so unchristliches Wetter bescherte.

Kandidat 4:
Kay zeigt uns ungeschminkt, wohin regelmäßiger RTL-Konsum gerade zu Weihnachten führen kann. Oder war es der Konsum von Fernsehkritik-TV?

Kandidat 5:
Zuschauer Guido freut sich, seine gerade mal acht Wochen alten Zwillinge gleich in ein entsprechend festliches Outfit zu verpacken.

Kandidat 6:
Zuschauerin Jamy musste entsetzt feststellen, dass der Weihnachtsmann nach der Bescherung kurz auf die Toilette verschwand, um ein dringendes Bedürfnis zu befriedigen.

Kandidat 7:
Zuschauerin Ines schreibt uns, dass es Omas größter alljährlicher Spaß ist, dem offenbar begrenzt talentierten Enkel beim Vortrag eines Weihnachtsliedes zuzuhören. Der Weihnachtsmann denkt sich auch seinen Teil.

Kandidat 8:
Zuschauer Mario hat den Spieß umgedreht und einfach mal den Weihnachtsmann nach der diesjährigen Arbeit zu Hause besucht. Wie man sieht, ist der alte Mann froh, erstmal wieder 364 Tage Ruhe zu haben.

Kandidat 9:
Zuschauerin Linda ist ein echter Sci-Fi-Freak und lässt es sich deshalb auch nicht nehmen, alljährlich die Weihnachtsgeschichte auf ihre Art und Weise zu erzählen.

Kandidat 10:
Zuschauerin Johanna hatte jahrelang Angst vor dem Weihnachtsmann – bis sie endlich zu spüren bekam, welche Qualitäten der Mann mit dem dicken Sack hat.

geschrieben am 27.12.2011 von Fernsehkritiker · 125 Kommentare Kommentar hinterlassen
An Arbeit wird es mir jedenfalls nicht mangeln…

Vielen Dank an Frank, der die Anzeige im “Erzgebirge Kurier” gefunden hat.
geschrieben am 16.12.2011 von Fernsehkritiker · 27 Kommentare Kommentar hinterlassen

