
Ich war heute hier in Hamburg im Gericht – allerdings nicht in meiner eigenen Angelegenheit, sondern als Zuschauer beim ersten Verhandlungstag der Hauptsache zwischen Marc Doehler und Mass Response. Das ist die Einstweilige Verfügung, die wir ja anerkannt haben. Wir erinnern uns: Es geht um die Frage, ob und inwiefern die Firma Mass Response als Produzent der Sendungen “Anrufen und gewinnen” (Österreich) und “Swissquiz” (Schweiz) bezeichnet werden darf. Viel lässt sich nicht berichten, denn im Grunde kam man nur zusammen, um gleich wieder auseinander zu gehen. Dass dafür extra der Anwalt von Mass Response aus München sowie Marc Doehler und sein Anwalt aus Berlin anreisen mussten, ist schon ein wenig absurd. Mitte September wird wohl der nächste Termin sein. Falls es welche noch nicht mitbekommen haben: Marcs Call-in-TV-Forum ist seit einiger Zeit wieder online, jetzt unter der Adresse http://www.citv.nl .
Das fast noch Interessantere war eigentlich, dass als Zuschauer im Gerichtssaal auch Rolf Schälike erschien, Betreiber der Seite www.buskeismus.de. Der Name seiner Seite ist nach Andreas Buske benannt, einem umstrittenen Richter mit schulterlangen Haaren, der mit teils skurril wirkenden Urteilen zum Ruf des Landgerichts Hamburgs als Stätte absurder Urteilsverkündungen erheblich beigetragen hat. Auch wenn Schälike auf seiner Seite wie ein verbissener Mensch daher kommt, so wirkt er im persönlichen Gespräch doch äußerst gelassen und lebensfroh. Man muss nur Talent entwickeln, im richtigen Moment das Wort zu ergreifen – der Mann redet einen sonst in Grund und Boden. Der Richter in der Verhandlung sprach extrem leise, als Zuhörer konnte man kaum etwas verstehen – wie ich hinterher erfuhr, hatte dies wohl mit dem anwesenden Schälike zu tun, da dieser wie wild alles mitschreibt, was Richter so von sich geben. Und da wollte man es ihm wohl ein bisschen schwerer machen.
Was unsere eigenen juristischen Angelegenheiten angeht, warte ich immer noch auf den Kostenbescheid vom Landgericht Hamburg und die Rechnung der Gegenseite. Des weiteren kocht natürlich immer noch das Verfahren gegen Primavera (in München). Hier warten wir darauf, ob Primavera sich nun auf ein Hauptsacheverfahren einlässt – falls nicht, wäre die Einstweilige Verfügung gegen uns vor dem Oberlandesgericht München aufgehoben.
geschrieben am 27.07.2010 von Fernsehkritiker · 11 Kommentare Kommentar hinterlassen
Ich wundere mich derzeit doch sehr über so manche Debatten, die über das öffentlich-rechtliche Fernsehen geführt werden. Seit längerer Zeit wird zwischen einigen Verlagen und ARD und ZDF ein peinliches Gezanke veranstaltet, das mit dem mimosenhaften Brief von SWR-Intendant Peter Boudgoust an FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher einen weiteren Höhepunkt erreicht hat. Meiner Meinung nach übertreiben in der Debatte um den sogenannten Drei-Stufen-Test beide Seiten. Die auf Druck der Medienkonzerne gemachten Auflagen an die Öffentlich-Rechtlichen, produzierte TV-Inhalte rasch wieder aus dem Internet zu werfen, halte ich für dummes Zeug – was für ein grandioses Recherche-Instrument wäre es doch, zum Beispiel alle “Tagesschau”-Ausgaben oder mit Gebührengeldern produzierte Dokumentationen online zu stellen? Genauso wäre es wunderbar, alte Polit-Talkshows anzuschauen – nicht nur aus historischen Gründen, sondern auch um sich ein Bild darüber zu machen, politische Thesen und Themen von damals mit dem Wissen von heute abzugleichen. All das wird nicht mehr möglich sein – wobei ARD und ZDF dies aber auch nie wirklich geplant haben. Damit bin ich dann auch bei der Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen: Denn wie ich ja etwa anhand meines Mail-Verkehrs mit der ZDF-Pressestelle im Zusammenhang mit dem Auftritt von Jürgen Milski im “ZDF-Fernsehgarten” darlegen konnte, sind die Öffentlich-Rechtlichen zur Selbstkritik nicht mehr fähig, sondern empfinden es als Majestätsbeleidigung, wenn man ihr Programm kritisiert.
Was mich jedoch am meisten erstaunt ist: Für die Online-Angebote von ARD und ZDF gibt es einen Drei-Stufen-Test, warum gibt es den nicht auch fürs TV-Programm? Jede im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geplante Sendung müsste zunächst diese drei Stufen durchlaufen:
1. Trägt die Sendung zur Bildung oder zum kulturellen Mehrwert bei?
2. Hebt die Sendung sich inhaltlich von den Angeboten der privaten Konkurrenz ab?
3. Trägt die Sendung zur positiven gesellschaftlichen Entwicklung bei?
Natürlich müsste über die Beantwortung der Fragen ein unabhängiges Gremium entscheiden und nicht der eigene Rundfunkrat (wie ja kurioserweise im Falle des vorliegenden Drei-Stufen-Tests für Online-Angebote). Dabei müsste eine Sendung gar nicht unbedingt alle drei Stufen positiv durchlaufen – selbst eine Stufe wäre schon viel wert und würde Unterhaltungs-Abfall wie die am Sonntag gezeigte Ausgabe des “ZDF-Fernsehgartens” verhindern.
geschrieben am 26.07.2010 von Fernsehkritiker · 27 Kommentare Kommentar hinterlassen

Erinnern Sie sich, dass ich mich kürzlich bereits darüber aufgeregt hatte, dass Jürgen Milski im ZDF-Fernsehgarten aufgetreten ist? Mir geht es nicht um seine grässliche Musik, mir geht es um die Person. Jemand, der mit dubiosen Methoden bei 9LIVE die Leute über den Tisch zieht, darf nicht einfach so in eine öffentlich-rechtliche Unterhaltungsshow eingeladen werden. Das geht nicht! Und was soll ich Ihnen sagen? An diesem Sonntag, den 25. Juli 2010, wird Milski wieder im ZDF-Fernsehgarten auftreten – also innerhalb der diesjährigen Staffel zum zweiten Mal.
Dies war Grund genug für mich, an die ZDF-Pressestelle zu schreiben. Hier der wortwörtliche Mail-Verkehr – jeder mag seine Schlüsse selbst daraus ziehen:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Verwunderung sehe ich, dass Jürgen Milski am kommenden Sonntag bereits zum zweiten Mal innerhalb dieser Staffel im ZDF-Fernsehgarten auftritt. Hierzu habe ich folgende Fragen:
1.) Hält das ZDF es für mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag vereinbar, einen Mann in seine Shows einzuladen, der beim Sender 9Live regelmäßig moderiert und dort mit dubiosen Quizspielen Zuschauern das Geld aus der Tasche zieht?
2.) Wie viel Gage (die ja aus Rundfunkgebühren finanziert wird) erhält Herr Milski für seine Auftritte?
3.) Wie steht das ZDF zu den Methoden des Anruf-Senders 9Live?
Mit freundlichen Grüßen
Holger Kreymeier, Redaktion Fernsehkritik-TV
Antwort des ZDF:
Sehr geehrter Herr Kreymeier,
besten Dank für Ihre Zuschrift.
Nach unserem Verständnis gehört es durchaus zum “öffentlich-rechtlichen Auftrag”, am Sonntagvormittag eine Unterhaltungssendung anzubieten, in der u.a. Menschen auftreten, die Musik machen und damit das Publikum erfreuen. Wir halten es auch für selbstverständlich, dass sie dafür anständig bezahlt werden. Unanständig hingegen wäre es, darüber öffentlich Auskunft zu geben. Und für nicht angemessen halten wir es, an dieser Stelle die Geschäftspraktiken anderer Sender zu kommentieren.
Daraufhin meine Nachfrage:
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Sehe ich das also richtig, dass das ZDF Musiker in seine Sendungen einlädt, unabhängig davon, ob diese in dubiose und halbkriminelle Machenschaften (9Live musste mehrfach hohe Geldbußen zahlen) verwickelt sind?
Mit freundlichen Grüßen
Holger Kreymeier, Redaktion Fernsehkritik-TV
Antwort des ZDF:
Sehr geehrter Herr Kreymeier,
das ZDF lädt den Musiker Jürgen Milski in seine Sendung ein.
In ihr Boot lasse ich mich allerdings nicht holen: Die inhaltlichen Vorgaben, die Sie in Ihre Frage einbetten, müssen Sie schon selbst vertreten.
geschrieben am 23.07.2010 von Fernsehkritiker · 75 Kommentare Kommentar hinterlassen
Am heutigen Mittwoch, den 21. Juli 2010, bietet das Fernsehen nicht gerade herausragende Höhepunkte. Das ist sicherlich richtig. Dennoch fragt man sich, was den zuständigen Redakteur bei Bild.de geritten hat, folgende Sendung zum TV-Tipp des Tages (!) zu machen:

geschrieben am 21.07.2010 von Fernsehkritiker · 34 Kommentare Kommentar hinterlassen
Ein Spanner hackt sich bei jungen Mädels in den Computer und aktiviert ohne deren Wissen die Webcam – diese Geschichte kursiert seit einigen Tagen durch die Medien, denn im Rheinland wurde ein Mann deswegen jetzt dingfest gemacht. Auch RTL hat am Sonnabend darüber in seiner Nachrichtensendung berichtet. Schauen Sie sich mal diese beiden Bilder aus der Sendung an:


Das Mädchen sitzt unübersehbar an einem Apple-Laptop. Dies erscheint insofern merkwürdig, da der unbekannte Täter ja einen Trojaner auf den Computern der Opfer installiert hat – und für Apple-Computer gibt es deutlich weniger Trojaner als für Windows-Systeme.
Erhellend ist da ausgerechnet ein Artikel von Bild.de, in dem das selbe Mädel zum Thema gemacht wird:

Wie man sieht, trägt das Mädchen zwar das selbe T-Shirt, hat aber einen anderen Computer – diesmal keinen Apple! RTL hat hier offenbar dem Mädchen ein falsches Laptop hingestellt – nur warum? Die öfter schon kritisierte Schleichwerbung für Apple dürfte wohl kaum passiert sein, denn warum sollte die Firma Apple sich selbst als Trojaner-anfällig präsentieren? Vielleicht wollte RTL einfach einen schickeren Computer zeigen – sozusagen um hippere Fernsehbilder zu drehen. Dem Informationswert hat dies sicher nicht genützt.
geschrieben am 20.07.2010 von Fernsehkritiker · 73 Kommentare Kommentar hinterlassen

Bis zur 51. Folge von Fernsehkritik-TV ist es noch eine Weile hin, deshalb muss ich mich heute schon mal per Blog mit der Show befassen, die uns seit diesem Samstag PRO 7 acht Wochen lang auftischen will. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie es das Fernsehen schafft, sich selbst zu unterbieten.
Wie schlimm diese Show ist, zeigt sich schon daran, dass der Sender wohl lange suchen musste, um neun willige Persönlichkeiten zu finden und diese auch noch irgendwie als “Prominente” zu verkaufen. Aufgemacht wurde die allerunterste Promi-Schublade, die Mehrzahl der Teilnehmer war mir zumindest noch nicht mal namentlich bekannt.
Gleich in der ersten Ausgabe hat man sich ein lustiges Spiel ausgedacht: Schlafentzug! Die Kandidaten wurden immer wieder nach kurzer Schlafperiode durch David Hasselhoffs “Looking for Freedom” geweckt und mussten einen (immer länger und komplizierter werdenden) Code eingeben, um die Terrormusik abzuschalten. Schlafentzug ist bis heute eine in vielen Staaten der Welt praktizierte Foltermethode (auch in den USA im Terrorgefängnis Guantanamo) – und PRO 7 macht daraus einfach mal eben eine lustige Spielshow.
Diese Show wirft nicht nur ein düsteres Bild auf den Sender Pro 7 (der sich sein vergleichsweise gutes Image als Privatsender mit einem solchen Format unnötig ramponiert), sondern natürlich auch auf die Kandidaten: Es zeigt, wie weit mediengeile C-Promis gehen, um im Gespräch zu bleiben. “Foltere mich, quäle mich, Hauptsache ich bin im Fernsehen” lautet die Devise – ist das nicht pervers? Es wirft aber auch ein schlechtes Bild auf die Zuschauer, die sich eine solche Show (wohlgemerkt zur Belustigung) ansehen. Was wird die nächste Stufe sein? Elektroschocks? Oder gleich Scheinhinrichtungen?
geschrieben am 17.07.2010 von Fernsehkritiker · 93 Kommentare Kommentar hinterlassen

Nicht der betreffende Waggon, aber so einer war's wohl
Wie RTL Fernsehen macht, das wissen wir ja inzwischen. Und dennoch gibt es immer wieder Erfahrungsberichte von Leuten, die einem die Schuhe ausziehen. So gibt es beispielsweise einen Blog von Fans des Fußballclubs Eintracht Braunschweig, die derzeit gemeinsam bei der WM live vor Ort sind. Und dort schrieb man kürzlich folgendes:
“Zwei Mitglieder unserer Reisegruppe wurden von RTL angesprochen, ob sie mal 2-3 Stunden Zeit für einen Dreh hätten. Der Dreh sollte zeigen, wie deutsche Fußballfans mit dem Luxuszug unterwegs sind, der zwischen Johannesburg und Kapstadt verkehrt. Dazu wurde eine Zugattrappe bzw. ein abgestellter Waggon aufgesucht und die Jungs wurden gefilmt wie sie Zigarren rauchend und Champagner trinkend im Zug unterwegs sind. Dass sie keinen Meter Zug gefahren sind brauche ich ja wohl nicht zu erwähnen! So wird also deutsches Fernsehen gemacht!” (nachzulesen HIER)
Man muss sich diese Vorgehensweise mal auf der Zunge zergehen lassen. Nicht nur dass die Protagonisten gar keine “Luxus-Fans” sind und stattdessen RTL ihnen Champagner und Zigarren zur Verfügung stellt (was, nebenbei erwähnt, ein höchst klischeehaftes Bild zeichnet von reichen Leuten): Es ist nicht einmal der Zug selbst echt, sondern irgendein abgestelltes ausrangiertes Waggon-Teil. RTL hätte für das authentische Drehen in einem echten Luxuszug sicher viel Geld bezahlen müssen – abgesehen davon, dass wohlhabende Leute sich ungern von so einem TV-Sender filmen lassen. Stattdessen wählte man also die Billig-Fake-Variante á la RTL und dreht dies noch obendrein den Zuschauern als authentische Doku an.
Sollte jemandem der betreffende Bericht auffallen bzw. aufgefallen sein – dann bitte melden!
geschrieben am 09.07.2010 von Fernsehkritiker · 32 Kommentare Kommentar hinterlassen
Zum Abschluss unserer kleinen Interview-Trilogie: Der Hausmusiker von Harald Schmidt über Harald Schmidt und Casting-Shows im Fernsehen!
geschrieben am 05.07.2010 von Fernsehkritiker · 17 Kommentare Kommentar hinterlassen
Der “heute-Show”-Anchorman und Sportmoderator über Pläne für “Triple Wixx” und ein Skandälchen bei der “heute-Show”.
geschrieben am 04.07.2010 von Fernsehkritiker · 26 Kommentare Kommentar hinterlassen
Mit dem Laudator des Publikumspreises und dem Moderator der Kindersendung “Wissen macht Ah!” sprach ich vor allem über die Frage, was heutzutage gutes Kinderfernsehen ausmacht.
Zu sehen in unserem MyVideo-Channel:
geschrieben am 02.07.2010 von Fernsehkritiker · 21 Kommentare Kommentar hinterlassen


