Erinnern Sie sich daran, als ich Ihnen in Folge 26 (April 2009) anhand einer Grafik demonstriert habe, wie viel “echtes” Programm der Sender Das Vierte eigentlich noch zeigt? Grün war dabei, mit viel gutem Willen, das Programm - rot war Abzockerei, Teleshopping und nächtlicher Schweinkram. Hier nochmal ein Screenshot:

Zeit, einmal zu schauen, wie es jetzt aussieht:
geschrieben am 09.03.2010 von Fernsehkritiker · Keine Kommentare Kommentar hinterlassenHaben Sie am Samstagabend “Wetten, dass…?” gesehen? Ja? Na, wie fanden Sie es? Sie haben vollkommen recht: Es war halt so eine typische Promi-Show mit paar interessanten Gästen, guten musikalischen Acts (KISS war natürlich ein Highlight), leidlich spannenden Wetten… ja, “Wetten, dass…?” eben!
Etwas irritiert war ich, als ich am Sonntagmorgen dann die Kritik der Show von SPIEGEL ONLINE gelesen habe. Ich zitiere mal: “Es ist nach diesen Sätzen, nach dieser Sendung nicht mehr nötig, weitere ‘Wetten, dass…?’-Ausgaben zu produzieren, denn diese können unmöglich besser werden als das, was den Zuschauern an diesem historischen 27. Februar 2010 aus Erfurt geboten wurde. Erfurt hatte alles. Und noch viel mehr. Nein, man muss sogar noch weiter gehen und sagen: Nach dieser Sendung ist es überflüssig geworden, überhaupt noch Fernsehen zu machen.” Mit Superlativen sollte ein Organ wie Spiegel Online wohl etwas vorsichtiger umgehen. Zwar ist es richtig, dass es auch schon schlechtere “Wetten, dass…?”-Ausgaben gab. Aber ein Meisterstück war diese Show nun wahrlich nicht. Der Autor schreibt seinen Text dahin, als habe er während des Konsums der knapp dreistündigen Show mehrmals abgespritzt vor Freude. Ich hoffe immer noch, dass Martin Sonneborn sich hinter dem Artikel verbirgt und nur mal die Analysefähigkeit der Spiegel-Leser testen wollte.
Umso erstaunter war ich dann, als ich kurz darauf auf eine Kritik der Show auf STERN ONLINE hingewiesen wurde. Dort nämlich ließ sich der Autor gegenteilig über die Show aus. Vor allem Thomas Gottschalk wurde mit schweren publizistischen Geschützen bombardiert: “Schwer zu sagen, was der Mann noch mitbekommt. Früher einmal war er der größte deutsche Showmaster, smart und schnell, heute ist er ein Unterhaltungsrisiko. Fahrig und fad steuerte Thomas Gottschalk gestern Abend das einstige ZDF-Flaggschiff ‘Wetten, dass…?’. Ein überforderter Endfünfziger im blauen Samtjackett. Gelungene Gags: Fehlanzeige. Gelungene Gespräche: nicht vorgesehen.” So falsch wie ich den Spiegel-Artikel finde, so böse finde ich auch diesen Text. Ich glaube, dass wir Thomas Gottschalk erst zu schätzen wissen, wenn er irgendwann von der Mattscheibe verschwunden ist.
Interessant ist jedenfalls, wie sich seriöse Online-Auftritte offenbar darin abquälen, einer belanglosen TV-Show im negativen oder positiven Sinne mittels eines Extrem-Artikels mehr Bedeutung beizumessen als sie in Wahrheit hat.
geschrieben am 01.03.2010 von Fernsehkritiker · 34 Kommentare Kommentar hinterlassenFalls Sie Besucher von MY VIDEO sind, dann ist Ihnen womöglich aufgefallen: Es gibt dort jetzt einen offiziellen Channel von Fernsehkritik-TV! Nein, keine Angst: Die neuesten Folgen gibt es weiterhin nur hier und vor allem auch nur hier in voller Länge zu sehen. Der Premium-Channel bei MY VIDEO dient nur der Zweitverwertung von Clips, also sozusagen hole ich das nochmal von der Müllkippe meines Schaffens, was noch einigermaßen zu gebrauchen ist.
Wie lange ich diesen Channel haben werde? Schauen wir mal! Denn immerhin wird diese Seite von einem rumänischen Tochterunternehmen von ProSiebenSat.1 betrieben - und denen gehört bekanntermaßen nicht nur PRO7, SAT.1 und KABEL1, sondern auch 9LIVE! Inmitten von “Model WG”, 9LIVE-Logos und anderen trivialen Ergüssen wirkt Fernsehkritik-TV wie ein Abiturient, der zum Unterricht zwischendurch in die Sonderschule muss. Aber egal! MY VIDEO soll diesen Channel haben! Natürlich werde ich mich dadurch nicht davon abhalten lassen, auch 9LIVE-Machenschaften in dem Channel zu zeigen - eher sogar im Gegenteil!
geschrieben am 22.02.2010 von Fernsehkritiker · 19 Kommentare Kommentar hinterlassen
Wie ich erst im Nachhinein erfahren habe, hat auch der Call-In-Produzent Primavera TV versucht, Einstweilige Verfügungen gegen mich und meine Firma Alsterfilm zu verhängen. Doch diesmal ging die Rechnung nicht auf: Das Landgericht München hat am 4. Januar 2010 die Einstweiligen Verfügungen im Zusammenhang mit dem von uns online gestellten Film “Anrufen und verlieren” von Marc Doehler abgewiesen. Primavera TV setzte sogleich nach mit einer “sofortigen Beschwerde”, doch auch die hatte keinen Erfolg. Nun geht das Ganze ans Oberlandesgericht München - hier sind wir nun um Stellungnahme gebeten worden. Diese werden wir natürlich gern abgeben.
geschrieben am 12.02.2010 von Fernsehkritiker · 32 Kommentare Kommentar hinterlassenIn Folge 40 zeige ich Ihnen in einem Beitrag, wie es hinter den Kulissen der Kabel1-Dokusoap “Schluss mit Hotel Mama” zugeht. Wie viele Menschen in diesem Land muss es geben, die gern, ähnlich wie Protagonist Christian, öffentlich darüber aufklären würden, wie sehr sie vom Fernsehen missbraucht worden sind (anders kann man das ja nicht nennen). Die meisten allerdings haben Angst davor - denn sie haben alle einen Knebelvertrag unterschrieben, der ihnen fast schon die Luft zum Atmen nimmt. Es ist ein Vertrag, der dem Produzenten quasi Narrenfreiheit einräumt, dem Protagonisten aber beinahe alle Rechte nimmt. Mir liegt so ein Vertrag vor. Aus rechtlichen Gründen kann ich ihn nicht zum Download anbieten, möchte aber gern ein paar Punkte daraus zitieren.
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Dass die Mitschnitt-Services von ARD und ZDF nicht gerade preiswert sind, dürfte bekannt sein: Das Zweite beispielsweise nimmt für eine DVD mit einem Mitschnitt, der länger als 60 Minuten dauert, mal eben satte 50 Euro! Ich möchte gar nicht wissen, was die Öffentlich-Rechtlichen mit diesem “Service” so nebenbei verdienen, denn eigentlich sind diese Preise eine Unverschämtheit: Alles, was ARD und ZDF in ihrem Archiv haben, ist bereits von unseren Gebührengeldern bezahlt worden. Einen Mitschnitt zu bestellen dürfte daher eigentlich nicht mehr als den bürokratischen Aufwand kosten. Aber genau der scheint wohl dermaßen teuer zu sein. Dies habe ich gerade wieder zu spüren bekommen.
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Wenn SPIEGEL ONLINE über 9Live berichtet, dann soll mir das nur recht sein. Nicht oft genug kann schließlich über Abzockereien aufgeklärt werden - und sie finden auch und gerade bei der Mutter aller TV-Abzockereien nach wie vor tagtäglich statt.
Übel auf stieß der Redaktion der Nachrichten-Seite folgendes:

Na, fällt Ihnen da jetzt etwas Skandalöses auf? Falls Sie erwarten, es sei das Spiel selbst, das die Gemüter der SPIEGEL-Redaktion erregt, dann haben Sie sich ohnehin getäuscht. Vielmehr wird in dem Artikel etwas anderes als Skandal tituliert.
Liebe Spiegel-Redakteure, bitte 1x kräftig am Rad drehen!
geschrieben am 18.01.2010 von Fernsehkritiker · 43 Kommentare Kommentar hinterlassenIch weiß leider nicht, wer dieser fleißige junge Mann “Tim Stoplt1″ ist, der mich und meine Moderationen immer wieder gekonnt auf YouTube verarscht - aber auch beim neuesten Streich habe ich herzlich gelacht. Manch einer wird dazu vermutlich keinen Zugang haben, aber ich finde diese kleinen kafkaesken Kunstwerke (ich bin mir hinterher immer selbst ein bisschen unheimlich) meisterhaft. Insofern: Sollte der Autor dies eigentlich machen, um mich zu ärgern, so ist ihm dies in keinster Weise gelungen. Den nächsten Beitrag dieser Art hätte ich dann gern mal als Gastbeitrag im Magazin!
Für alle, die es nicht kennen:
geschrieben am 13.01.2010 von Fernsehkritiker · 17 Kommentare Kommentar hinterlassenEtwas, das “Tagesschau”-Chefredakteur Kai Gniffke kürzlich eher so nebenbei ankündigte, hat sich in den vergangenen Wochen zu einem riesigen Zankapfel entwickelt, nämliche die Frage: Darf die ARD-Nachrichtensendung kostenlos eine App fürs iphone zur Verfügung stellen?
Ich gebe zu, dass ich selbst mir da unschlüssig bin. Auf der einen Seite muss auch die “Tagesschau” in den neuen Medien präsent sein, denn schließlich entwickelt sich das Fernsehen in den kommenden Jahren immer mehr zu einem Medium von gestern. Außerdem wäre die Aufregung sicher groß, wenn die ARD mit solchen Apps Geld nebenher verdienen würde. Auf der anderen Seite sieht, wieder einmal, die private Wirtschaft ihre Felle davon schwimmen. Vor allem der Springer-Verlag will in diesem Segment neue Umsätze machen (die App von “Bild” beispielsweise kostet 79 Cent). Wer will für Nachrichten übers iphone Geld bezahlen, wenn Deutschlands bedeutendste Nachrichtensendung sie kostenlos liefert? Ein schwieriger Spagat.
Als iphone-Besitzer freue ich mich zumindest auf die “Tagesschau”-App - und dass sie kostenlos ist, soll mir natürlich ebenso recht sein…
geschrieben am 12.01.2010 von Fernsehkritiker · 20 Kommentare Kommentar hinterlassen
Bernd Höcker ist ein leidenschaftlicher Kämpfer - gegen die GEZ-Gebühren. Seit Jahren recherchiert er auf diesem Gebiet, hat Kontakte zu Opfern von rücksichtslosen GEZ-Fahndern und die unglaublichsten Fälle dokumentiert. Dies alles hat er auf seiner eigenen Website http://www.gez-abschaffen.de und in mehreren Büchern sehr ausführlich dargelegt. Auch mein Beitrag über die Methoden der GEZ in Folge 26 basierte in Teilen auf Höckers Recherchen.
Dass dem NDR dies ein Dorn im Auge war, versteht sich von selbst. Doch wie diesem unliebsamen Kritiker beikommen? Das, was Höcker recherchierte, war ja schließlich von der Meinungsfreiheit gedeckt. Doch das Justiziariat des NDR wäre nicht das Justiziariat des NDR, wenn es nicht irgendeine Möglichkeit gefunden hätte, Höcker trotzdem in die Knie zu zwingen. Und das ist nun gelungen: Da Höcker den NDR-Juristen Klaus Siekmann beim Namen nannte, klagte dieser auf Unterlassung, denn die Namensnennung Siekmanns verletze dessen Persönlichkeitsrechte. Welch ein Hohn: Man möge einfach mal bei Google den Namen “Klaus Siekmann” eingeben und schauen, wie viele Ergebnisse ausgespuckt werden. Siekmann war oft im Zusammenhang mit dem NDR namentlich genannt worden, als Jurist des Senders ja auch wahrlich nichts Ungewöhnliches. Warum hat er in den anderen Fällen nicht geklagt? Das Landgericht Hamburg jedenfalls gab Siekmann Recht. Höcker wird mit einer Strafe von 50.000 Euro gedroht, wenn er nicht sofort große Teile seiner Seite löscht. Was bleibt ihm da anderes übrig als dies zu befolgen?
Wir sehen hier wieder einmal ein Beispiel dafür, wie rabiat öffentlich-rechtliche Sender mit Kritikern umgehen. Wir sehen aber auch, wie absurd manche Gerichtsurteile in diesem Land sein können: Die Persönlichkeitsrechte eines NDR-Juristen werden höher bewertet als die Meinungsfreiheit eines GEZ-Kritikers? Ja, GEZ noch? Und wie war das: Zahlen wir nicht unsere Gebühren dafür, dass ARD und ZDF zur freien und öffentlichen Meinungsbildung beizutragen?
Höcker will sich nun mit einer Aktion rächen, die er, angelehnt an den legendären Joseph Beuys, als künstlerische Aktion versteht (und somit der künstlerischen Freiheit unterliegt): Jeder soll demnach dem NDR eine Scheibe Käse schicken - sozusagen als Gegenleistung für den Käse, den der NDR jeden Tag so in die Wohnzimmer sendet. Mehr Informationen gibt es HIER.
geschrieben am 05.01.2010 von Fernsehkritiker · 43 Kommentare Kommentar hinterlassen